Presse 
"Grünschnabel", Roman, Schöffling & Co, Frankfurt

Der tragisch-komische Ton bricht mit vertrauten realistischen Erzählmustern und öffnet, Traditionen osteuropäischer Literatur folgend, bei aller Zeitgenossenschaft imaginäre Räume jenseits von Ort und Zeit.
Felicitas Hoppe


Vous l’aurez compris dans ce beau roman, on est très loin, de ce qui abonde en littérature contemporaine et que je redoute le plus: ces trop nombreuses personnes qui s’obstinent à publier deux cents pages sur les passionnantes expériences personnelles qu’ils vivent en scrutant leur nombril dans le miroir. Dans ce premier roman, Monica Cantieni, véritable auteure,  raconte la vie, jalonnée des mots amour, amitié, surpopulation étrangère, société suisse, famille,... sur lesquelles une orpheline avance avec bravoure, entre sentiment d'insécurité, la confirmation officielle de son adoption, et solidarité et amitié entre gens de peu.
C'est mon premier Cantieni et franchement, si tous les autres sont comme ça, ça fera quelques heures de bonheur en perspective ! Pour faire simple, j'ai adoré ce livre.
Françoise Laeckmann sur Blanc-bec, Lu et approuvé, Brüssel

Es gibt Bücher, die habe ich gelesen und will sie sofort wieder lesen, warum? Um den Figuren, der Sprache meine erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken; ich möchte Cantienis Roman in einem tiefen Sinn verstehen, und dazu gehört der Wunsch, den Figuren wieder zu begegnen. Der Grünschnabel, ein Mädchen, das «keine Ahnung von Sprache hat», deswegen Wörter sammelt, nimmt mich auf seine Suche mit, und das klingt harmlos, ist aber alles andere: Weil der Grünschnabel nichts weiss, sprengt sie die Sprache aus ihrem Rahmen. Überfremdung ist kein abstrakter Begriff mehr, sondern sitzt konkret im Schrank und hat einen Namen. Die Überfremdung heisst Mili, und ihr Vater arbeitet in der Schweiz der Siebzigerjahre und hat keine Papiere für seine Tochter. Sie wissen nicht wohin damit, antwortet der Grünschnabel, nachdem Mili gefragt hat, was Überfremdung sei.
Die scheinbar naive Perspektive des Grünschnabels zertrümmert die Sätze und Worte nicht, sondern ermöglicht die Erkenntnis, dass Sprache nicht ist, sondern etwas tut — zugreifen, ausgrenzen, hinter der Maske der Nüchternheit. Und immer ist da noch etwas anderes, nämlich eine begnadet humorvolle Kunstsprache, die erzählt vom Grünschnabel-Mädchen, das adoptiert werden soll, von einem wunderbaren Grossvater, der im Sterben liegt, und spätestens, wenn der Maurer Eli auf die Frage des Grünschnabels, ob «la vida» dasselbe sei wie «das Leben» zur Antwort gibt, in keinem Mund ist es dasselbe, dann weiss ich, dass dieses Buch präzis und mit einem warmen Herz geschliffen worden ist.
Melinda Nadji Abonji, Deutscher Buchpreis und Schweizer Buchpreis, 2010 mit «Tauben fliegen auf», Roman
Tages Anzeiger Magazin, Nr. 27, 9.07.2011


Alle Personen in diesem beeindruckenden Erstlingsroman leben auf unsicherem Boden (...). So ist «Grünschnabel» nicht nur ein aussergewöhnlicher Entwicklungsroman, sondern auch ein Buch über die Entstehung von Sprache, also von Literatur.
WoZ, 26.5.2011

Von Adoption ist die Rede, vom Immigrantenmilieu der 1970er Jahre und vom italienischen Gastarbeiter – schwere Kost steht zu befürchten. Doch dann kommt man schon nach den ersten Sätzen aus dem Staunen nicht mehr heraus. So witzig, so anrührend, auf so kunstvolle Weise "schräg" ist schon lange nicht mehr von den Schwierigkeiten des Integrierens – in diesem Fall in eine neue Familie und in die Schweizer Gesellschaft – erzählt worden.
Man meint, einen Hauch Hrabal und Oskar Matzerath zu spüren, und lauscht doch einer ganz eigenen Erzählweise, die dem Schelmenroman eine ausgesprochen hübsche Variante hinzufügt. "Ich bin nicht das große Los", erklärt die kleine Protagonistin über sich selbst. Dieser Roman ist es sehr wohl.
Wiener Zeitung, 14.5.2011 


Es ist ja nicht nur der erste Satz so magnetisierend: "Mein Vater hat mich für 365.- Franken von der Stadt gekauft."
Das geht bis zum Schluss weiter so. (...) Monica Cantienis Debütroman hat eine neue Sprache gefunden, von der man nicht genug bekommen kann. 
Kurier, Österreich, 7.5.2011


Monica Cantieni gelingt es in bemerkenswerter Weise, den ihrer kindlichen Erzählstimme inneliegenden Gefahren einer banalen oder kitschigen Erzählung auszuweichen. Die Schweizer Autorin fängt stattdessen die Tristesse tropfender Wasserhähne, schimmelnder Orangen und noch lebendiger Lichtstrahlen einer schon toten Sonne in einer nüchtern schönen und von der kindlichen Unschuld ihrer jungen Erzählerin geprägten Stimme ein.
Das Wiener Online--Magazin "stadtbekannt" 1.5.2011 















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Hans-Ulrich Probst in Radio DRS2 aktuell, 13.4. - Click the pic

Präzis und einfühlsam gewinnt die Autorin der Perspektive des Kindes immer neue Facetten ab – bis hin zum traurigen Tod des Großvaters Tat, dem es den Spitznamen "Grünschnabel" verdankt und das Erlebnis tiefer Verbundenheit, wie es nur Großeltern vermitteln können.
Sprachwitz, kindlich wuchernde Fantasie und Gesellschaftskritik verbinden sich zu einer ebenso unterhaltsamen wie nachdenklichen Geschichte, in der das Sammeln der Wörter und die komplizierte Verteilung auf die richtigen Wort-Schachteln als Grundmotiv ergänzt wird durch sinnenfrohe Situationskomik, unverbrauchte Bilder und eigenwillige Dialoge.
Das pure Vergnügen ist dieser Roman – zum Selberlesen und Weitergeben. 
Badische Zeitung 13.4.2011

Es ist ein eigenwilliger, vereinnahmender Roman, den Monica Cantieni, 1965 im Kanton Zürich geboren, mit «Grünschnabel» vorlegt. Und es ist zugleich ihr erster. (...) 
Mit der Wahl der literarischen Kinderperspektive reiht sie sich nun in die wachsende Zahl von Schreibenden, die auf der reduzierten Augenhöhe den Reiz des anderen Blickwinkels und der sprachlichen Gestaltungsfreiheit suchen. Das Risiko der manieristischen Ausbeutung und symbolischer Überfrachtung inklusive.
Doch Monica Cantieni gelingt es in «Grünschnabel», einen eigenen Ton und Rhythmus anzuschlagen, indem sie das kindliche Ringen um Verständnis und Verständigung zu einer eigentlichen Kunstsprache verdichtet – oder besser: zusammenschnürt. Vermeintlich leichtfüssig, aber mit zielgenauer Prägnanz dringt die Autorin bis in die hintersten Bedeutungswinkel vor, um von dort aus das Kind radebrechend kombinieren und schnurgerade den Wortsinn transferieren zu lassen. Erzählend wird hier «Stringenz» beim Wort genommen und entwickelt sich dadurch zur poetisch-komischen, unterschwellig jedoch schneidenden, schmerzhaften Ansichtssache.
Sibylle Birrer, NZZ,  1.4.2011




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Julia Martinez, art-tv.ch, 1.4.2011


Der 1965 in Thalwil geborenen Autorin, die hauptberuflich als TV-Journalistin arbeitet, ist mit «Grünschnabel» ein eindrücklicher Roman gelungen. Sie meistert die schwierige Erzählperspektive weitgehend. Nur bisweilen, in den zeitgeschichtlichen Passagen, lädt sie ihrer kleinen Protagonistin zu viel auf. Doch sie überzeugt mit ihrer frischen Sprache, originellen Metaphern und pointierten Dialogen. Zudem wimmelt es in ihrem Buch von liebenswerten, mit sicherem Strich gezeichneten Sonderlingen.
Manfred Papst, NZZ am Sonntag, 27.3.2011









kulturplatz, SF 1 16.3.2011

Sprühende Einfälle 
Cantienis Buch steckt voll kleiner Geschichten und verblüffender Sätze, in denen sich Leben und Tod aus der Optik eines naseweisen Mädchens spiegeln. 
Natürlich ist diese Sprache kein echtes Kinderidiom. Vielmehr hat Cantieni eine Kunstsprache entworfen, die eine kindhafte naive Perspektive behauptet. Ihre Spontaneität und Lakonik übersteigen das eigentlich Kindliche. Entsprechend darf ihr Mädchen über den Tod reden, wie es Kinder nur in der Vorstellung von Erwachsenen tun. Vor allem mag das Mädchen prägnante Sätze und Formulierungen – wie «Ich hatte ihr ein Koma in den Kopf geschlagen», oder der Italiener Toni hat «eine Illegalität am Hals». Sie ahmen Kindlichkeit nach, im Kern aber ist darin ein surrealistisches Prinzip erkennbar, das Fakten und Metaphern auf verblüffende Weise miteinander verklammert.
Die Südostschweiz, 17.3.2011

Ein starkes Romandebüt: Die Schweizerin Monica Cantieni schreibt über ein Waisenkind, das in seiner neuen Heimat heimisch zu werden versucht.
Die Kinderperspektive ist verführerisch – es lockt die poetisch aufgeladene Wahrheit aus Kindermund – und birgt gleichzeitig zahlreiche Gefahren: Kitsch und Sentimentalität lauern, die Protagonisten können sich als pure Projektionsflächen entpuppen, und nicht zuletzt droht mit dieser Erzählanlage eine Limitierung der Wahrnehmungs- und damit auch der Erkenntnismöglichkeiten. Monica Cantieni trotzt diesen Gefahren mit einer sinnlichen Sprache voller unverbrauchter Metaphern und dem Verzicht auf den pädagogischen Zeigefinger.
Die 45-jährige Journalistin ist 1997 mit der Erzählung «Hieronymus’ Kinder» erstmals als Autorin aufgefallen – lässt dieses Mädchen allmählich heimisch werden in einem Milieu, in dem die Menschen selber als «Fremde» in einem ressentimentgeladenen Umfeld darum kämpfen, anerkannt und respektiert zu werden.
Diesen Roman auf eine Abrechnung mit einer fremdenfeindlichen Schweiz zu reduzieren, hiesse allerdings, dessen literarische Essenz zu ignorieren. «Grünschnabel» ist die poetische Geschichte der kindlichen Eroberung eines Stücks Lebenssinns, bei der die Sprache als welterschliessende Kraft gleichzeitig das Thema ist.
Tages Anzeiger, 8.3. 2011

Die Sprache ist knapp und direkt. Die naiv erkundete Wörterwelt des Kindes zerrt dabei oft gerade Dinge ans Licht, die Erwachsene gerne hinter den Wörtern versteckt halten würden. Der Roman ist von kindlicher Leichtigkeit und trockener Komik, die Dialoge ab und zu mit rätoromanischen Tupfen koloriert (na ja!). Nur gegen eine himmelelende Behauptung der Mutter protestieren wir hier mit Nachdruck: «Zu viel lesen ist ungesund. Lesende, sagt sie, bleiben unverheiratet, haben Hände wie Kinder und reden im Alter mit sich selbst.»
AZ, 5.3.2011


Monica Cantienis erster Roman führt die Serie bemerkenswerter Schweizer Frauenbücher (wie «Tauben fliegen auf» von Melinda Nadj Abonji) auf imponierende Weise fort. Cantienis «Grünschnabel» besticht mit seiner vitalen Figurenzeichnung wie mit seiner Sprache, die Form und Thema in einem ist. 
365 Franken soll der Vater bezahlt haben, damit das kurzsichtige Mädchen aus dem Heim zu «künstlichen Eltern» ziehen darf. Vorläufig wenigstens, denn es ist noch gar nicht sicher, ob alles gut geht. Monica Cantieni stellt die Sozialisierung eines Adoptivkindes wunderbar anschaulich aus der Optik des Mädchens selbst dar. Sie gesellt ihm glaubwürdige, mit Fehlern behaftete Betreuer bei, und sie stellt die Geschichte gekonnt in eine Zeit hinein, in der die Ausgrenzung des vorlauten Mädchens, das der Grossvater Grünschnabel nennt, mit jener Ausgrenzung konform geht, die Immigranten bedrohte – und noch immer bedroht. 
Charles Linsmayer, SonntagsZeitung, 20.2.2011


Meisterhaft gelingt es Monica Cantieni, ein Kind für Erwachsene zur Identifikationsfigur zu machen. Das Mädchen, in den Siebzigerjahren per Adoption aus dem Waisenhaus ins Immigrantenmilieu verpflanzt, beobachtet, versucht zu verstehen und entlarvt so in aller Unschuld die Not der Grossen. Es sind Versehrte und Verfolgte, die es lehren, was Menschsein heisst. Nach und nach entwickelt es einen Sinn für Gut und Böse und eine eigene Sprache, um die Welt zu erfassen. 
Auch die 45-jährige Zürcher Autorin schreibt in einer eigenen Sprache: sinnlich, tragisch-komisch und sehr direkt. Wie schon in der Erzählung «Hieronymus’ Kinder» (1996) erzeugt sie in ihrem spät folgenden Romanerstling «Grünschnabel» den Eindruck von Unmittelbarkeit und zugleich vielschichtiger Tiefe. 
Ein geglücktes Kunststück! Ab damit in die Wörterschachtel MEHR DAVON. 
Berner Zeitung, 17.2. 2011


Die Dinge werden beim Wort genommen – bemerkenswert klar und lapidar. (...) Cantieni hat liebenswerte Gestalten entworfen, alle sind mehr oder weniger schräge Vögel. Dass ihr Buch nicht zu heimelig wird, hängt mit der Schreibweise zusammen: Die Dialoge sind pointiert und sitzen, und die Bilder und Vergleiche sind unverbraucht und geben dem Text eine spröde Komik.   
Basler Zeitung, 11.2. 2011


Presse
"Hieronymus' Kinder", Erzählung (1996) - eine Auswahl

Der Grund, diesen literarischen Erstling wahrzunehmen, sind vor allem diese hinreissenden Bilder, die durch den eigenartigen Umgang mit Sprache entstehen: Cantieni schreibt gezügelt und üppig zugleich.
NZZ, Neue Zürcher Zeitung

Die Geschichte hinterlässt den Geschmack einer satten, reifen, einer vollkommenen Frucht. Der Ennetbadenerin ist mit ihrem Erstling "Hieronymus' Kinder" ein kleines Meisterwerk gelungen.
Berner Zeitung

Doch "Hieronymus' Kinder" ist alles andere als eine vergnügliche Strandlektüre, nämlich ein anspruchsvoller, vielschichtiger, atmosphärisch dichter und sehr kunstvoll erzählter Roman - ein Debüt, dem ein so eigentümlicher, so ausgereifter Stil eignet, dass man nur darüber staunen und auf weitere Texte dieser Autorin gespannt sein kann.
AZ am Wochenende

Der Rezensent der "Luzerner Neusten Nachrichten" meinte 1995 nach ihrer Lesung an den Solothurner Literaturtagen, sie lasse "eine eigene, poetische Wirklichkeit ihr Recht behaupten". Monica Cantieni lässt nichts behaupten, sie behauptet nicht einmal selber, sie erzählt. Sie tut es mit einer schneidenden Nüchternheit, die keinen Widerspruch aufkommen lässt, mit einem lustigen Witz, der einem die Augen in immer neue Richtungen öffnet. 
SonntagsZeitung

http://www.srf.ch/play/tv/kulturplatz/video/monica-cantienis-gruenschnabel?id=8ccbdc94-edeb-4abd-8559-0f4da5df967c